Mundartgesellschaft

Presse

Frau liest Zeitung, Mundartgesellschaft Presse

Mai 2024

Mundartgesellschaft Württemberg e. V. wählt neue Vorsitzende

Reutlingen (MgW): In ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung am Samstag,

4. Mai im Alten Rathaus in Reutlingen gab es eine große Veränderung:

Der bisherige 1. Vorsitzende und Gründer der Mundartgesellschaft Württemberg e.V., Wilhelm König, gab sein Amt nach 46 Jahren ab. Als seine Nachfolgerin wurde die in Metzingen lebende Oberschwäbin Jeanette Rzyski-Knab gewählt.

Die „Stabübergabe“ erfolgte in lockerer Atmosphäre.

Wilhelm König wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorstand gewählt.

März 2024

Schwäbisches Rundum-Vergnügen in Reutlingen

Reutlinger Mundart-Momente ersetzen die Mundart-Wochen. „Wein & Wort“ sorgt nach wie vor für volles Haus
 
REUTLINGEN. Genau ein Jahr liegt Wilhelm Königs Ankündigung zurück, in diesem Frühjahr den Vorsitz der 1978 von ihm gegründeten »Mundartgesellschaft Württemberg« in jüngere Hände abzugeben und somit auch keine Reutlinger Mundart-Wochen mehr zu veranstalten. Die lockten bereits 1976 zum ersten Mal ein dialektbegeistertes Publikum in den Spitalhof und seither alljährlich zu Autorenlesungen sowie Auftritten von Liedermachern und Kabarettisten unterschiedlichster Sprachausprägung, fast immer im Foyer der Reutlinger Volksbank.
 
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Januar 2024

Wilhelm König aus Reutlingen: Ein Leben für die Mundart

Großes Archiv in Weingarten. Wilhelm König hat sich um die Dialekte verdient gemacht und zieht mit 88 ein Fazit.

Wilhelm König, der schwäbische Mundart-Fürst, zu Hause in Reutlingen. Foto: Jürgen Rahmig

REUTLINGEN. Wilhelm König lebt für die Mundart, gibt den Vorsitz der von ihm gegründeten Mundartgesellschaft Württemberg, aber im kommenden Frühjahr ab. »Ich kann loslassen«, sagt er und meint es ernst. Ein Nachfolger/in wird im Frühjahr 2024 gewählt. Nach einer coronabedingten Zwangspause fanden im Oktober 2022 die 46. und letzten Reutlinger Mundart-Wochen statt. Die Veranstaltung organisierte er erstmals 1976. Die Zeitschrift »schwädds« allerdings wird er weiterhin machen. Da liegt ihm noch viel daran.

Gedichte schreibt der schwäbische Mundart-König inzwischen kaum mehr. Er hat unzählige deftig-freche und nachdenklich-hintersinnige schwäbische Verse und Aphorismen verfasst und in Gedichtbänden veröffentlicht – auch in der Lokalzeitung. Dr. Köser, früherer langjähriger GEA-Feuilletonchef, habe sein erstes schwäbisches Gedicht beim GEA angenommen. Wilhelm König hat auch teils eigenwillige Bücher geschrieben, unter anderem eines über sein Leben: »Anläufe«, so der Buchtitel. Nun sagt er – zunächst nachdenklich: »Es ist alles geschrieben« – und lacht dann herzhaft. Und mit 88 Jahren könne man nicht mehr alles so wie früher, erklärt der Mann mit dem mächtigen Oberlippenbart und den wehenden weißen Haaren.

»Es gibt keine Wiederkehr, der Dialekt verschwindet«

Was ist nun mit dem Schwäbischen? Wenn jemand von der Renaissance des Dialekts spricht, kann er dazu nur sagen: »Es gibt keine Wiederkehr, der Dialekt verschwindet.« Das sei die Realität. »Denn der Dialekt wird überliefert von Person zu Person, aber nicht von den Eltern, sondern über die Schulkameraden, die vermitteln das, die vermitteln auch die Spiele, die man damals so gespielt hat.« Wilhelm König ist in Kappishäusern und Dettingen an der Erms aufgewachsen. Als nach dem Krieg die Vertriebenen auch an der Erms landeten, »kamen Kinder in unserem Alter in unsere Klasse. Die mussten den Dialekt mit uns erarbeiten«. Deswegen hört er den Begriff Muttersprache nicht gern. Er spricht von der Ortssprache.

Es gab keinen Lehrer, der sie damals – er kam 1941 in die Grundschule – in Hochdeutsch korrigiert hätte: »Des wär dem schlecht bekomme.« In der Oberschule sei das dann für die wenigen, die dorthin gingen, anders geworden. Die seien dann ausgegrenzt worden, sagt er. Das war damals so. Sprache verbindet und trennt. In Lesen und Turnen war Wilhelm König gut, aber später das Aufsätzeschreiben war nicht sein Ding. »Dass ich später einmal die Schreibweise des Schwäbischen bestimmen würde, das konnte damals natürlich niemand vorhersehen.«

König war immer gut für Überraschendes. So hat er als Bundesbürger ein Studium in der DDR aufgenommen. Das war doch ziemlich außergewöhnlich. Bei seinem schweren Berufsunfall 1954 in der Schreinerlehre, bei dem er kurz nach seiner Gesellenprüfung die linke Hand an der Fräse verloren hatte, war er gerade mal 19 Jahre alt. Er fiel in ein Loch und begann sich autodidaktisch in der Literatur fortzubilden. Dann hat er in Heidelberg umgeschult auf technischer Zeichner. »Ich hatte das Bedürfnis, noch mehr zu lernen übers Schreiben.« Als er aus Heidelberg zurückkam, fiel ihm diese DDR-Broschüre in die Hände, in der das Leipziger Institut Johannes R. Becher für schreibende Arbeiter aufgeführt wurde. Dorthin wollte er.

Foto: Armin Knauer

»Meine Heimat verrate ich nicht«

»Ich hatte mich beworben und dazu auf neun Seiten formulieren müssen, was ich mir davon verspreche.« Er wurde 1963 tatsächlich immatrikuliert und machte sich auf den Weg. Es gefiel ihm. Die Lyriker und Schriftsteller Sarah und Rainer Kirsch waren Banknachbarn während des Studiums. Er hatte in Leipzig schnell einen Freundeskreis gefunden. Die Freunde studierten aber alle nicht wie er am Literaturinstitut. Er wäre gern bis zum Abschluss geblieben, »aber vorher wurde ich völlig überraschend und ohne Angabe von Gründen des Landes verwiesen«. Das war 1964. »Die Gründe sind mir tatsächlich bis heute nicht bekannt.«

Wahrscheinlich hing das mit gescheiterten Stasi-Anwerbeversuchen zusammen. »Ich hatte das alles verweigert.« König war ein sperriger Typ, und offenbar stufte ihn die DDR-Staatssicherheit schließlich als nicht brauchbar ein. »Ich bin stolz darauf, dass ich alles abgelehnt hatte. Meine Heimat verrate ich nicht. Ich weiß von Leuten, die hatten sich angedient und dann davon profitiert.«

»Ich wurde also mitten in der Abschlussarbeit über einen Vergleich von Bert Brecht und Gottfried Benn verwiesen. Beide mochte ich. Sie waren diametrale Gegensätze. Doch was sollte ich nun machen?« Das Interesse am Dialekt und am Schwäbischen entwickelte sich bei ihm jetzt erst, und es gab damals im Land auch keine wirkliche Dialekt-Literatur. König hat die Dialektszene außerhalb von Baden-Württemberg entdeckt. Da gab es in den Fünfzigern die Wiener Gruppe um H. C. Artmann. »Er hat mit der Wiener Gruppe die deutsche Dialektliteratur geprägt. Es gab dort über die Jahre viele Veranstaltungen. Das wollte ich übernehmen für Württemberg und das Schwäbische.«

Er hat gesammelt, was ihm an Dialektliteratur und Gedichten in die Finger kam und über die Jahrzehnte in Bad Schussenried eine große Sammlung angelegt. »Dort habe ich es aufgebaut, und nun ist das Ganze umgezogen in die PH Weingarten und hat einen neuen Namen erhalten: Württembergisches Mundartarchiv Wilhelm König.« Das nach ihm benannte Archiv der Dialekte macht ihn schon stolz. »Ich habe mein Ziel erreicht und der Verein auch. In der Satzung steht, Aufbau eines Archivs aller Dialekte, also aller deutschen Dialekte. Da ist beispielsweise auch Preußisch drin und Schlesisch.« Das Archiv ist untergebracht, doch die Mundartgesellschaft sucht jetzt noch Lagerräume für ihre Vereinsbestände. Etwa 80 Quadratmeter wären nötig, schätzt König und hofft, dass sich jemand findet, der solche Räume günstig bereitstellen kann.

»August Lämmle hat mich mit seiner Banalität und den Kalauern nie angesprochen«, und um die Schreibweise ging es damals noch nicht, »die hatten alle keine Ahnung davon gehabt. X und y beispielsweise gibt es nicht. Da haben sich die Autoren dann über die Sprache verständigt. Die Wiener Gruppe hat Schreiben nach der Aussprache begonnen. Das war entscheidend. Unter Wegfall von bestimmten Buchstaben. Ich brauche auch kein ck.« Eines seiner Bücher hat König übrigens nur in Kleinbuchstaben geschrieben, ist aber wieder zur Groß- und Kleinschreibung zurückgekehrt.

»Mein Lieblingsgedicht ist Dr Hoogamo«

Unten seinen vielen Gedichten sind ihm zwei die liebsten. »Mein Lieblingsgedicht ist dasjenige, das in Dettingen in Stein geschlagen ist: Dr Hoogamo. Wir haben uns als Kinder vorgestellt, wenn man in die Erms fällt, holt einen der Hakenmann mit seinem Dreizack, also Neptun. Das hat die Gemeinde verewigt. Das Gedicht ist mir im Saarland eingefallen bei einem Autorentreffen, bei dem jeder zum Schluss einen Text machen sollte.« Der Saarländische Rundfunk hat es dann tagelang gebracht: »Das hat ihnen wohl vom Rhythmus her so gefallen. Die waren fasziniert.« Sehr gut gefällt ihm auch sein Gedicht »aareißa«. Es ist dem früheren GEA-Verleger Eugen Lachenmann gewidmet, der sich darüber geärgert hatte, dass in Reutlingen so viel abgerissen wurde. »Während des Schreibens habe ich gewusst, das bleibt so, das Gedicht ist ein Wurf, da muss nichts mehr verändert werden.«

Die Mundart-Wochen begannen als Einzelveranstaltung in Böblingen, dann konnte er immer mehr Leute gewinnen. Warum sollte man das nicht in Reutlingen machen können, dachte er sich, aber nicht mehr nur eine einzelne Veranstaltung, sondern viele Veranstaltungen für die verschiedenen Dialekte. Er fand Sponsoren, die Stadt, Banken, die Volkshochschule. Das ging viele Jahre gut, dann ließ das Interesse des Publikums nach. Er holte Kabarettisten nach Reutlingen, darunter Matthias Richling. Viele verdanken ihm ihren Durchbruch.

»Ich bedaure die Entwicklung nicht«

Inzwischen ist auch das vorbei. »Kann man dem Publikum noch Mundart zumuten? Die Zeit scheint irgendwie rum«, meint er. »Dieses Kleinräumige, in dem der Dialekt gedeiht, gibt es nicht mehr. Besonderheiten auch von Ort zu Ort ebnen sich ein. Da darf man sich keine Illusionen machen. Weil die Kinder das nicht mehr untereinander überliefern. Die schwätzet nemme mitenander.« Das habe bis in die 50er-Jahre hinein funktioniert. »Wie ich schreibe und schwädds, schwäddst in Dettingen niemand mehr. Die Kinder sprechen heute weder Dialekt, noch richtig Deutsch. Vieles in der Jugendsprache hat nun sogar Entlehnungen aus dem Türkischen. Noch zwei Generationen, dann ist der schwäbische Dialekt weg.«

»Ich bedaure die Entwicklung nicht«, sagt er. Aber kann man ihm das wirklich glauben? »Es gibt noch die Kabarettisten in Mundart, aber die geben auch auf oder sterben aus.« 2005 noch hatte er beispielsweise Gerhart Polt zu den Mundart-Wochen geholt. Die vorletzte Mundart-Woche war 2020, dann kam die Corona-Zwangspause. Es wurde verschoben und geschoben und mit der 46. Mundart-Woche 2022 kam dann das – vorläufige? – Ende. »Die internationale Mundartszene ist eigentlich schon in den 80er-Jahren ausgelaufen«, meint König im Gespräch zu Hause in der Reutlinger Kaiserstraße. Es war schließlich das nachlassende Publikumsinteresse und die Schwierigkeit, überhaupt noch junge Talente zu finden.

Es wird einen Nachfolger für Wilhelm König als Archivchef geben. Die periodisch erscheinende »schwädds«, seine Zeitschrift für Mundart, will er noch selbst fortführen, inzwischen auch im 36. Jahr. Doch auch das wird nicht einfacher, denn inzwischen geht es auch hier um das dichterische Material. Die Mundart stirbt aus und wird irgendwann einmal nur noch etwas für die Wissenschaft sein. Da wird dann sein Mundartarchiv sehr gefragt sein. (GEA)

März 2018

So wie mer putzt,
so isch mer au

Das Naturell der Schwaben, liebevoll unter die Lupe genommen von Läufer-Ass Dieter Baumann: Dies war ein Trainingsabend. Allerdings nicht für die Beinmuskeln, sondern für die Lachmuskeln.

Kabarettist Dieter Baumann (links) Mundartwochenmacher Wilhelm König. FOTO: ROE

REUTLINGEN. Dass der kabarettistische Marathon keineswegs zur Durststrecke wird an diesem vorletzten Abend der 43. Reutlinger Mundartwochen, dafür sorgt erfolgreich Dieter Baumann. Der Ex-Langstrecken-Champion und nunmehr populäre Entertainer bringt mit seinem kurzweiligen Programm »Die wo älles können« sein Publikum im Foyer der Volksbank zum Lachen. Wesentlich dazu bei trägt das Posaunenquartett Trombanda, das Baumanns schwäbische Schmankerl mit passgenauen pfiffigen Arrangements perfekt ergänzt und das Publikum zu Szenenapplaus mitreißt. Wilhelm König, dem Gründer und Organisator der Mundartwochen seit 1976, ist damit ein Glücksgriff im diesjährigen facettenreichen Programm gelungen.

Aktuelle Themen wie Stuttgart 21, Flüchtlinge, Denis Yüzel, Waffenlieferungen oder der Flughafen( die Posaunisten begleiten hier lautmalerisch mit Fluggeräuschen) sorgen für Nachdenkliches. Nach einem hörenswerten Potpourri des Quartetts Trombanda das Fazit fürs Publikum: Dies war ein Trainingsabend. Allerdings nicht für die Beinmuskeln, sondern für die Lachmuskeln. (GEA)

Mundartgesellschaft Württemberg e.V.
Eichbergstraße 2
72555 Metzingen
Tel. 07123-3606220

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